Der Förderverein

Wasser- und Windräder haben noch bis tief in das 20. Jahrhundert hinein viele Landstriche Europas geprägt. Aber weder Katastrophen noch Kriege waren der Grund dafür, dass –bis auf wenige Ausnahmen– die Mühlen aus der Landschaft und aus dem Bewusstsein der Menschen nahezu verschwunden sind. Zuerst vereinzelt, dann immer schneller haben Großmühlen mit den effektiveren Antriebskräften Dampf und Elektrizität die Wasser- und Windmühlen verdrängt. Dabei war die Mühle, deren Geschichte in grauer Vorzeit beginnt und die schon in den antiken Hochkulturen einen ersten Höhepunkt erlebte, für die Entwicklung der gesamten Zivilisation von enormer Bedeutung. Mit ihr hat der Mensch die elementaren Kräfte der Natur, zuerst das Wasser, später den Wind, wirkungsvoll in seinen Dienst gestellt. Mühlen mahlten nicht nur Getreide, sie hämmerten und stampften, sie schnitten und schliffen, sie walzten und sägten. Sie hoben Lasten und schöpften Wasser auf die Felder. Mühlen verkörperten nicht nur Geschichte, sie machten sie auch.
Vor diesem Hintergrund fragt man sich, wie der massenweise Verlust historischer Mühlen, ihre Stilllegung, ihr Abriss, ihr unwiederbringlicher Verfall so in aller Stille geschehen konnte.
Natürlich waren da die neuen effektiven Großmühlen, natürlich waren gerade die alten Wassermühlen in oft einfachen, wenig hervorstechenden Bauten untergebracht und natürlich waren die Eigentümer oft nicht interessiert oder auch nicht in der Lage, die unrentabel gewordenen „Betriebe“ zu erhalten. Und natürlich kümmerten sich die Denkmalschützer zunächst um die bedeutenden Bestände sakraler und profaner Baukunst und dachten weniger an die versteckten Schätze bewahrenswerter Mühlentechnologie.
Und deshalb wohl regten sich erst nach dem zweiten Weltkrieg und besonders in den letzten drei Jahrzehnten angesichts des schon erheblich gelichteten Bestandes Kräfte zur Bewahrung der Reste der alten Mühlenkultur.

Die Situation in Umkirch
Die Umkircher Mühle (siehe auch „Geschichte“) ist geradezu ein exemplarisches Beispiel für Mühlengeschichte, Mühlenkultur und für den lautlosen, von der Umgebung nicht beachteten Verfall. Obwohl die Mühle unter Denkmalschutz gestellt wurde, war sie jahrelang dem Verfall preisgegeben. Die Fenster waren eingeschlagen, die Türen nicht verschlossen, durch das undichte Dach drangen Wasser und Wind und zerstörten oder beschädigten was sie erreichen konnten. Ungebetene Schlafgäste taten ein Übriges und nachdem die zugehörige Mühlenscheune bereits einem aparten Wohnhaus gewichen war, schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch das „hässliche“ alte Mühlengebäude aus dem Dorfbild verschwunden sein würde und niemand, nein fast niemand hätte sich daran gestört.
Fast niemand!
Einige Mühlenfreunde gab es natürlich auch in Umkirch und für die Geschichtsschreibung ist wichtig zu notieren, dass auch der Bürgermeister und die Mehrheit des Gemeinderates zu diesen Mühlenfreunden gehört haben. Trotzdem gab es zunächst keine Lösung. Die vom Eigentümer für das Grundstück und die Mühle geforderte Summe war astronomisch und nicht zu finanzieren. Nur durch die Tatsache, dass die Gemeinde in diesem Fall einen ziemlich langen Atem bewiesen hat und dass sie auch bereit war ihre Planungshoheit für die Mühle konsequent einzusetzen, hat letztlich dazu geführt, dass sie 1998 in den Besitz der Mühle kommen konnte. Für stolze 390 000 DM, was angesichts der enormen Summen, die für die notwendige Sanierung noch aufzubringen sein würden, sicher ein hoher Preis gewesen ist. Auch vor dem Hintergrund leerer Kassen und anderer dringender Aufgaben.
Aber der Preis, das wird in wenigen Jahren die allgemeine Meinung sein, war nicht zu hoch. Denn nun kann in Umkirch ein Zeugnis der Mühlenkultur erhalten werden, wie man es schwerlich an einem anderen Ort noch finden kann. Dieses Kulturgut für die kommenden Generationen zu bewahren kann aber nicht allein die Aufgabe der öffentlichen Hand sein. Auch das bürgerschaftliche Engagement ist hier gefordert.